Tolle Toiletten

„Sehr geehrte Damen und Herren, aufgrund der Ausbreitung von COVID-19 möchten wir Sie bitten, die folgenden Hinweise zu beachten: Halten Sie Abstand zu anderen Menschen. Halten Sie sich nicht in Gruppen auf. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände.“

Wenn man solche Durchsagen hört, möchte man am liebsten einen Schutzradius von mindestens fünf Metern um sich herum errichten und sich sofort die Hände waschen gehen. So ging es uns zumindest, als wir auf dem Weg zum Bahnhof von Kopenhagen einen kurzen Zwischenstopp am Flughafen gemacht haben. Da das erste aber nicht immer in unserer Macht liegt, haben wir uns vorerst mit dem zweiten zufrieden gegeben. Und da fingen unsere Probleme an.

Gerade noch auf die Gefahr der allgegenwärtigen Viren hingewiesen worden, mussten wir nun ganze fünf Türen passieren, um zum nächsten Waschbecken zu gelangen. Was grundsätzlich nicht schlimm ist, schließlich konnten wir uns da ja die Hände waschen. Nur mussten wir auf dem Rückweg leider genauso viele Türen öffnen und damit auch anfassen. In solchen Extremsituationen wird einem erst bewusst, vor welchen Herausforderungen man auch zu ruhigeren Zeiten steht, sobald man mal eine öffentliche Toilette aufsucht.

Unterwegs und keine Toilette in Sicht

Bild: Hafidz Alifuddin (Pexels)

Wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, kommt es früher oder später zu einer unvermeidlichen und schrecklichen Erkenntnis: man muss auf die Toilette. Gefolgt von einer weiteren unvermeidlichen und noch schrecklicheren Erkenntnis: man ist weit weg von zu Hause. Gefolgt von der letzten unvermeidlichen und zweifellos schrecklichsten Erkenntnis: man wird eine öffentliche Toilette benutzen müssen.

Erst will man es nicht wahrhaben. “Ich bin doch extra vorhin nochmal gegangen.” Dann ärgert man sich. “Warum habe ich denn nur so viel Wasser getrunken?” Man fängt an mit sich zu ringen. “Vielleicht kann ich es ja noch etwas aufschieben.” Man bemitleidet sich selbst. Und am Ende akzeptiert man es doch. Die fünf Phasen der Trauer erlebt man nirgendwo sonst in so kurzer Zeit. Was gut ist, schließlich braucht man die restliche Zeit dafür, eine Toilette zu finden.

In Berlin gab es im Jahr 2018 ungefähr 250 öffentliche Toiletten. Gerechnet auf die Gesamtfläche der Stadt, kommt eine Toilette auf ungefähr 3,5 km². Um so ein kleines Häuschen zu finden, braucht man also schon eine Menge Ausdauer. Oder ein kleines Wunder. Ein noch größeres Wunder ist da höchstens, dass sich vor den Häuschen nicht kilometerlange Schlangen bilden. Schließlich hat Berlin 3,5 Mio. Einwohner, zu denen sich 2018 noch 13,5 Mio. Touristen gesellten. Insgesamt sind das stolze 68.000 Menschen pro Toilette. Konzepte wie die nette Toilette, bei der Gaststätten kostenfrei ihre Räumlichkeiten für die Notdurft zur Verfügung stellen, entspannen die Situation zwar etwas, sind aber noch nicht weit genug verbreitet.

In Berlin gab es im Jahr 2018 ungefähr 250 öffentliche Toiletten. Gerechnet auf die Gesamtfläche der Stadt, kommt eine Toilette auf ungefähr 3,5 km². Um so ein kleines Häuschen zu finden, braucht man also ein kleines Wunder. Ein noch größeres Wunder ist da höchstens, dass sich vor den Häuschen nicht kilometerlange Schlangen bilden.

Der Mangel an Erleichterungs-Etablissements wirkt sich dabei nicht nur auf die gemütlichen Spaziergänge von Touristen aus, sondern hat auch unmittelbare Folgen für die soziale Teilhabe. Besonders ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, können oft nicht schnell nach Hause laufen, um ihre eigene Toilette zu nutzen. Wenn es dann kein öffentliches Angebot gibt, können sie sich nicht mehr weit von ihrer eigenen Wohnung entfernen.

Dass viele Städte beim Ausbau des Angebots zögern, kann man sogar fast verstehen, wenn man die Hintergründe kennt. 130.000 Euro soll die Anschaffung einer Toilette kosten. Reinigung und Wartung kommen da noch obendrauf. Erwischt man hingegen jemanden dabei, wie er sein Geschäft in der Wildnis verrichtet, kann man diese Person selbst um ein Bußgeld erleichtern. Das fängt oft bei 30 Euro an, kann aber deutlich mehr werden. Geld ausgeben oder Geld einnehmen. Vielen Kommunen fällt diese Entscheidung nicht allzu schwer.

Wie komme ich da rein und raus ohne was anzufassen?

Ist man nun aber glücklicherweise in Besitz einer Schatzkarte, die den Weg zu einer dieser seltenen Stätten weist oder kommt mit purem Glück zufällig an einer vorbei (ehrlich, dann sollte man auch gleich am nächsten Samstag Lotto spielen), fängt das Abenteuer beim Eintritt erst so richtig an. Denn wirklich wohl fühlen sich dort die wenigsten.

Um auf öffentlichen Toiletten möglichst jeden noch so kleinen Hautkontakt zu vermeiden, muss man mitunter schon richtig entschlossen sein. Und nicht selten auch einen ausgeklügelten Plan sowie Nerven aus Stahl mitbringen. Da ist eine vierlagige Schicht aus vierlagigem Toilettenpapier auf dem Sitz nur der Anfang. Ist man dann auch in der Lage, den Ich-fass-nichts-an-Plan erfolgreich umzusetzen, startet man kurzerhand einen Freudentanz, wäscht sich die Hände, öffnet die Tür und verschwindet in die Keimfreiheit. Blöd nur, wenn man erst draußen von der gut informierten Begleitung mit einigen nützlichen Informationen versorgt wird: “Wusstest du, dass die Wahrscheinlichkeit von Krankheitserregern auf Wasserhähnen und Türklinken viel größer ist, als auf einer Klobrille?” Nein, wusste ich nicht. Aber danke für die Info.

Um auf öffentlichen Toiletten möglichst jeden noch so kleinen Hautkontakt zu vermeiden, muss man mitunter schon richtig entschlossen sein. Und nicht selten auch einen ausgeklügelten Plan sowie Nerven aus Stahl mitbringen. Da ist eine vierlagige Schicht aus vierlagigem Toilettenpapier auf dem Sitz nur der Anfang.

Das alles wäre gar kein Problem, wenn alle einer einfachen Regel folgen würden: “Verlasse diese Toilette so, wie du sie vorfindest.” Oder besser noch, wie du sie vorfinden möchtest. Schließlich ist nur schwer vorstellbar, dass die meisten Menschen zu Hause ähnliche Standards bezüglich Sauberkeit pflegen wie in der Öffentlichkeit.

Dabei ist der Besuch einer öffentlichen Toilette ohnehin schon ein reines Abenteuer, selbst wenn man von der Hygiene absieht. Fließendes Wasser, ausreichend Seife und eine geeignete Möglichkeit zum Händetrocknen. Eigentlich recht bescheidene Wünsche. Um alle drei an einem Ort erfüllt zu bekommen, müsste man aber vermutlich erst einmal eine Wunderlampe finden. Was genauso wahrscheinlich sein könnte.

Öffentliche Toiletten mit Beispielfunktion

Findet man dann mal ein regelrechtes Paradebeispiel, fühlt man sich direkt wie eine richtige Königin oder ein richtiger König. Und das kann echt einfach sein. Man muss nicht mal bis nach Japan reisen, auch wenn das ein richtiges Paradies für WC-Enthusiasten sein soll. Auch hierzulande gibt es bereits unzählige Ideen, wie man den Gang zum Örtchen selbst ohne Sitzheizung angenehm gestalten kann.

Foto: Wall GmbH

Bild: Wall GmbH

Da wäre natürlich erst einmal der Zugang. Schließlich bringt einem die schönste Toilette der Welt nichts, wenn man nicht hineinkommt. Barrierefreiheit ist da das Stichwort. Insbesondere für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Das schafft man aber nicht nur, indem man die Toiletten ebenerdig baut. Fahrbare Wände beispielsweise sind nicht nur futuristisch, sondern auch praktisch. So finden auf engem Raum zwei Toiletten Platz, die bei Bedarf einfach zu einer großen verschmelzen. Die Berliner Toilette, dessen Module man wie Lego-Steine zusammensetzen kann, wird man in Zukunft per App finden können, sodass langes und panisches Umherirren Geschichte sein wird.

Damit man diese auch ohne große Sorgen um die eigene Gesundheit nutzen kann, müssen sie sauber gehalten werden. Früher hatte man da als Anbieter zwei Optionen: eine Reinigungskraft dauerhaft abstellen, um für die Sauberkeit zu sorgen. Oder eben auf Sauberkeit verzichten. Heute kann man manche Toiletten einfach fluten, um sie zu reinigen. Mit nur einem Liter Wasser. Das ist gleichzeitig einfach, hygienisch und nachhaltig. Schließlich verbraucht eine normale Spülung selbst schon drei bis sechs Liter pro Nutzung.

Immerhin dürfte das Thema kontaktloses Hände waschen bei den meisten schon bekannt sein. Wasserhähne, Seifenspender und Händetrockner reagieren bei modernen Einrichtungen bereits auf Bewegung. Dabei muss es nicht mal so viel Technik sein. In Italien beispielsweise muss man besonders bei älteren Gebäuden unter dem Waschbecken suchen, wenn man das Wasser laufen lassen möchte. Mit dem Fuß oder dem Knie kann man dann so lange auf einen Hebel drücken, bis man saubere Hände hat.

Ein neues Gefühl von Freiheit

Im letzten Schritt muss man aber noch in der Lage sein, die frisch gewaschenen Hände auch sauber bis nach draußen zu bekommen. Wenn da nur nicht immer noch eine Tür wäre, die einen vor eine nahezu unüberwindbare Hürde stellt. Aber auch hierzu gibt es bereits diverse Lösungsansätze. Türen, die man mit den Füßen öffnen kann oder solche, welche das ganz von selbst tun. Oder, wenn man es günstig und praktisch haben möchte: einfach ganz ohne Türen. Klingt etwas freizügig und könnte im Winter etwas luftig sein, wird aber tatsächlich an vielen Örtchen erfolgreich umgesetzt. Der Eingang ist dann einfach so angelegt, dass man um eine Ecke gehen muss. So muss man nichts anfassen und es kann dennoch niemand hineinsehen.

Bei einzelnen Kabinen wäre das wohl etwas übertrieben. Mittlerweile gibt es aber immerhin Modelle, die sich wie von Zauberhand öffnen und schließen lassen. Einfach nur mit einer eleganten Handbewegung, ganz ohne Passwort wie “Sesam, öffne Dich”. Das ist doch wohl der Traum aller Menschen. Der Gang auf die öffentliche Toilette, ohne auch nur eine einzige Stelle anfassen zu müssen.

Mittlerweile gibt es Modelle, die sich wie von Zauberhand öffnen und schließen lassen, ganz ohne Passwort wie “Sesam, öffne Dich”. Das ist doch wohl der Traum aller Menschen. Der Gang auf die öffentliche Toilette, ohne auch nur eine einzige Stelle anfassen zu müssen.

Übrigens muss das alles ja nicht nur für Toiletten gelten. An vielen Orten gibt es bereits Türen mit Bewegungssensoren. Oder man kann sie per Knopf öffnen lassen. Zum Beispiel in Kaufhäusern oder Behörden. Das ist bei schweren Türen besonders für ältere Menschen oder solche mit Behinderungen praktisch. Meist muss man diese Schalter per Hand betätigen. Würde man hier zusätzlich noch Fußschalter einbauen, gäbe es auch an diesen Stellen weniger Sorgen um Hygiene. Schließlich funktioniert das bei Mülleimern auch.

So hätten wir in Zukunft ein deutlich geringeres Risiko, Krankheitserreger zu verbreiten. Und das ist ja nicht nur in Zeiten von Corona eine gute Aussicht.


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