Zeit zu Hause sinnvoll nutzen

Jeden Tag hören wir in den Nachrichten von Ausgangssperren, Social Distancing, Home Office, der Absage sämtlicher Veranstaltungen sowie Schließung von Schulen, Cafés und anderen Betrieben. Vor einem Monat noch undenkbar, jetzt kann man es schon nicht mehr hören. Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag verändert, wie es die meisten Menschen (besonders junge) noch nicht erlebt haben. Das öffentliche Leben wurde komplett lahmgelegt und viele mussten feststellen, dass in einem rein privaten Leben irgendetwas fehlt.

Zwei Wochen sind es mittlerweile, in denen wir brav in der Wohnung bleiben und nur für das Nötigste die sichere Festung, genannt Zuhause, verlassen. Noch nie zuvor war uns jeder einzelne Schritt so bewusst und jeder Atemzug so kontrolliert. Was man nicht alles macht, um eine Pandemie einzudämmen und vor Allem: um selbst gesund zu bleiben. Da ist Ellenbogen-Denken gefragt. Wir meinen damit nicht den endlosen Kampf um das letzte Paket Toilettenpapier, sondern einfach, dass mittlerweile sämtliche Türen mit den Ellenbogen geöffnet werden. Fragt mich nicht wie das bei Drehknöpfen funktionieren soll, aber dem Erfindungsreichtum sind hier keine Grenzen gesetzt.

Endlich Zeit für die wichtigen Dinge?

Die Möglichkeiten, sich zu Hause zu beschäftigen, sind so vielfältig wie noch nie. Vor allem durch mittlerweile faszinierend schnelle Internetverbindungen hat man Zugang zu einem nahezu unendlichen Vorrat an Filmen, Serien, Musik, Büchern, Spielen und mehr. Gleichzeitig möchte man Spanisch lernen, sich vornehmen mehr Sport zu machen (und das auch wirklich tun), das in der Ecke stehende, verstaubte Keyboard mal wieder benutzen und natürlich den bitter nötigen Frühjahrsputz einleiten. Im Alltag sind unsere Terminkalender oft so voll, dass wir gar nicht wissen, wann wir uns unseren ganzen Vorhaben widmen sollen. Da kommt einem so ein verordnetes Zuhause-Bleiben doch gerade recht.

Sofern man denn das Glück hat, von zu Hause aus arbeiten zu können und zu dürfen. Der durchschnittliche Arbeitsweg in Deutschland dauerte im Jahr 2016 ungefähr 20 Minuten. In einer Woche kommt man damit schon auf über drei Stunden. Bei vielen ist dieser Wert natürlich noch deutlich höher. Wir persönlich sparen im Moment eine gute Stunde täglich, die wir auch so gut wie möglich nutzen möchten. Und das nicht nur, um endlich diverse Watchlists abzuarbeiten.

Der treue Bispill-Blog-Leser weiß, dass wir in jedem Artikel über ein Best Practice sprechen. Da wir aktuell selbst viel Zeit in unseren eigenen vier Wänden verbringen, schreiben wir heute mal über uns. Ob das unbedingt ein Best Practice ist, sei mal dahingestellt.

Also was tun mit der reichlich vorhandenen Zeit? Eine Netflix-Odyssee ist zwar ganz spannend, aber vielleicht doch etwas einseitig auf Dauer. Wir haben daher beschlossen, die Zeit zu Hause als Chance zu betrachten, und zwar als Chance endlich die Dinge zu machen, die man sich immer wieder vornimmt, aber für die man normalerweise eben nicht genügend Zeit hat.

Wie der treue Bispill-Blog-Leser weiß, wollen wir in jedem Artikel über ein Best Practice sprechen. Da wir aktuell selbst eine beachtliche Menge Zeit in unseren eigenen vier Wänden verbringen, war es naheliegend, heute mal über uns zu schreiben. Und wie wir ganz nach dem Motto “Mach das Beste draus” leben. Ob das dann unbedingt ein Best Practice ist, sei hier mal dahingestellt. Aber es ist ein Beispiel. Andere können wir uns derzeit ja sowieso nicht ansehen. Was unser Privatleben mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Vielleicht im Einzelnen noch nicht so viel. Aber unser aktuelles gesellschaftliches Verhalten hat einige Konsequenzen für unsere Umwelt. 

Zu Hause für die Nachhaltigkeit

Städte wie Venedig, in denen man normalerweise im Pinguin-Modus durch die Menschenmenge watscheln muss, sind leergefegt. Keine Touristen, keine Kreuzfahrtschiffe, keine Gondoliere, die einem die lang erträumte romantische Bootsfahrt ermöglichen. Und als Konsequenz: aufklarendes Wasser, durch das man die Algen und Fische sehen kann. Eine willkommene Abwechslung zur klassischen braunen Brühe, die normalerweise durch Venedigs Kanäle schwappt. Hier kann man sehen, was geschieht, wenn man der Natur nur etwas mehr Freiraum lässt. 

Weitere wirklich spannende Bilder liefert die Raumfahrtagentur ESA (kurz für European Space Association). Und wenn wir spannend sagen, dann meinen wir “Potzblitz, mein lieber Kokoschinski, lass uns das sofort auf Instagram, Facebook und Twitter teilen”-spannend. Satellitenbilder zeigen Europa oder auch China von oben, über das gelbe und rote Wolken ziehen. Diese Wolken stellen Stickstoffdioxid-Emissionen dar, die bei Verbrennungsprozessen entstehen. Also durch Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas und auch Abfall. Müllverbrennung nennt man dann ganz freundlich “thermische Verwertung”. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr. Hier nur so viel: viel Stickstoffdioxid bedeutet nichts Gutes für Mensch und Umwelt. Es wirkt als starkes Reizgas auf die Lungenwege und kann zu Entzündungen führen, langfristig sogar Asthma, Herzinfarkte und Schlaganfälle fördern.

Wirklich spannende Bilder liefert die Raumfahrtagentur ESA. Und wenn wir spannend sagen, dann meinen wir “Potzblitz, mein lieber Kokoschinski, lass uns das sofort auf Instagram, Facebook und Twitter teilen”-spannend.

Auf den Bildern der ESA sieht man nun diese gelben und roten Wolken im Januar, die sich bis Februar in hellblaue und gelbe Wolkenströme verwandeln. Korrespondierend mit den Maßnahmen, die gegen die Ausbreitung von Corona umgesetzt wurden. Eine tolle Visualisierung, um zu verstehen, welchen Einfluss wir Menschen allein durch unsere Fortbewegung von A nach B haben. Wenn A nun die Stube und B die Küche ist und wir das auch noch zu Fuß bewältigen, ist schnell klar, dass wir derzeit gezwungenerweise umweltfreundlicher leben. 

Auch die Anzahl der Flüge im europäischen Luftraum ist im März drastisch gesunken. Knapp 80 Prozent weniger als im Vorjahr sollen es gewesen sein. Das entspricht einer ganzen Menge CO2, die jetzt nicht in die Luft gepustet wird. Nicht ganz so vorteilhaft ist, dass das Fahren mit dem eigenen Auto derzeit attraktiver (und virenmäßig sicherer) ist als die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie so oft kommt es auch hier auf die Verhältnismäßigkeit an. 

Wenn wir die Dinge, die wir jetzt anders machen, auch nach der Zeit der Isolation weiter umsetzen, können wir vielleicht dafür sorgen, dass die Anzahl der Flüge nicht wieder um 80 Prozent steigt. Dazu kann jeder Einzelne beitragen. Und das mit kleinen Schritten.

… aber nicht nur für die Nachhaltigkeit

Wie bereits eingangs erwähnt, muss es dabei gar nicht immer zwingend um Nachhaltigkeit gehen. Jetzt ist die perfekte Zeit, sich neue Gewohnheiten anzueignen. Wir nutzen die Gelegenheit beispielsweise dazu, mehr Artikel für diesen Blog zu schreiben. Und haben diesen auch direkt in einen Podcast verwandelt, in dem jeder Artikel in Zukunft auch zu hören sein wird. Die Workshops von Perpetuum Mobility konnten nicht mehr in gewohnter Form stattfinden, also haben wir daraus Webinare gemacht. Und da gesellige Geburtstagsfeiern im Moment absolut nicht angesagt sind, man aber dennoch nicht alleine feiern möchte, haben wir uns zu virtuellen Videofeiern getroffen.

Das war übrigens auch der Auslöser für Elisas “1 Day 4 You”-Idee. Zu Geburtstagen freut man sich immer riesig, von all den Menschen zu hören, die an einen denken. Ist dann aber auch schnell etwas enttäuscht, dass man sich nicht öfter Zeit füreinander nimmt. Treffen sind bei Freunden auf der ganzen Welt generell nicht so einfach. Das kennt man auch aus Zeiten ohne Corona. Da liegt es doch auf der Hand, sich mal eben zu einem Videochat zu verabreden. Nur fehlt dafür leider oft die Zeit. Darum die Idee, sich einen ganzen Tag nur für diese eine Sache freizunehmen. “Wer hätte gedacht, dass man Socialising so Effizienz-optimieren kann,” hört man dann schnell mit einem guten Schuss Ironie von seinen Freunden, die sich gerade für einen 20-Minuten-Termin eingetragen haben. Wir hätten das vor ein paar Wochen noch nicht gedacht, aber die Freude war bei allen Beteiligten riesig.

Erste Schritte für große Veränderungen

Es muss aber gar nicht mal so innovativ sein. Ändern kann man vieles. Zum Beispiel beim Mittagessen. Gekocht wird bei uns im Moment mindestens doppelt so oft wie zuvor, meistens mit viel Gemüse und vor allem frisch. Das spart Geld und ist gesund. Da auch das meiste Gemüse unverpackt erhältlich ist, sparen wir sogar an Verpackungen. Zusätzlich haben wir uns noch vorgenommen mehr auf Saisonalität zu achten. Also machen wir mindestens einmal die Woche ein Gericht mit Gemüse aus dem Saisonkalender.

Lebensmittel wegwerfen haben wir fast komplett eliminieren können. Der Terminator wäre stolz auf uns. Okay, um ganz ehrlich zu sein: die Weinflasche, die letztens aus dem Kühlschrank gefallen ist, gilt theoretisch wohl auch als verschwendet. Aber das war definitiv ein gemeiner Komplott von Flieh- und Schwerkraft. Was kurz davor ist schlecht zu werden, wird in neuen Kreationen verwertet. So gibt es mal Rotkohl-Reis, mal Essiggurken-Salsa-Salatdressing.

Lebensmittel wegwerfen haben wir fast komplett eliminieren können. Der Terminator wäre stolz auf uns. Okay, die Weinflasche, die letztens aus dem Kühlschrank gefallen ist, gilt theoretisch wohl auch als verschwendet. Aber das war definitiv ein gemeiner Komplott von Flieh- und Schwerkraft.

Da wir 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche vor Ort sind, haben wir noch etwas weiteres eingeführt. Wir wiegen unseren Müll. Das mag etwas neurotisch wirken, ist aber sehr aufschlussreich. 220,5 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf soll der Durchschnittsdeutsche im Jahr 2016 produziert haben. Das kam uns reichlich viel vor, also wollten wir den Vergleich. Zwischen Januar und März waren es in unserem Zwei-Personen-Haushalt 17,1 Kilogramm Müll. Darunter fallen Papier-, Bio-, Restmüll und Verbundstoffe. Legt man da nochmal zehn Prozent drauf, weil wir ja nicht immer zuhause sind und rechnet es auf ein Jahr hoch, kommen wir auf 75,2 Kilogramm Müll. Immer noch zu viel, aber mit 37,6 Kilogramm pro Person ein guter Anfang. Dazu kommen bei uns dann noch alle Glasgefäße, die wir bisher nicht gewogen haben. Aber Platz nach oben ist ja immer. 

Im Endeffekt muss jeder für sich selbst herausfinden, wofür er seine neu gewonnene Zeit nutzen will. Ein Whiteboard mit seinen Zielen oder eine einfache To-Do-Liste kann dabei schon Wunder wirken. Was darauf steht, kann variieren. Vielleicht nutzt man die Zeit, um endlich den passenden Ökostromanbieter zu finden, sich beizubringen wie man Hafermilch selbst herstellt oder den nächsten Urlaub an der Nordsee zu planen. Denn die Zeit nach Corona kommt bestimmt.


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