Einweg ist kein Weg

Nach den Ausgangsbeschränkungen kommen die Lockerungen.

Langsam können wir wieder unsere Wohnungen und Häuser verlassen. Endlich wieder einen Spaziergang machen. Auch wenn es wohl noch einige Zeit dauern wird, bis wir nicht mehr jedes mal die Straßenseite wechseln, wenn wir am Horizont eine andere Person auf uns zukommen sehen. Vielleicht können wir irgendwann sogar wieder ruhigen Gewissens in Restaurants, Cafés, Bars, Clubs, Kinos, Theater, Museen, Schwimmbäder, Fitnessstudios, Sporthallen, Stadien und sonstige Veranstaltungsorte gehen.

Man würde denken, dass wir in Zeiten des Internets mit seinem unbegrenzten Unterhaltungsangebot in der Lage sind, uns auch eine ganze Weile zu Hause zu beschäftigen. Aber dann unterzieht man seine eigenen vier Wände erst einmal einer Grundreinigung, nagelt ein Bild an die Wand, das schon seit dem Einzug auf dem Boden steht, repariert eine Schublade, tauscht eine Glühbirne aus, baut eine Webseite um, startet ein Fitnessprogramm, gießt sogar mal wieder die Blumen. Und dann schaut man auf die Uhr und merkt, dass gerade einmal 43 Minuten vergangen sind.

Heiß auf ein Eis?

Glücklicherweise ist es damit nun vorbei. Bald können wir uns also wieder den wichtigen Dingen zuwenden. Draußen auf einer Bank einen Kaffee trinken, bei einem Spaziergang durch die Stadt einen Snack auf die Hand gönnen oder, besonders jetzt, da der Sommer immer deutlicher an unsere Tür klopft, mal wieder ein erfrischendes Eis genießen.

An einem heißen Sommertag (ok, an einem angenehm warmen Tag) (na gut, eigentlich an jedem nicht eiskalten und klatschnassen Tag) kann man auf eines auf gar keinen Fall verzichten: ein leckeres Eis. Das gehört einfach zusammen wie Ernie und Bert, wie Bud Spencer und Terence Hill, wie Gollum und der Ring. (Oder war es Frodo und der Ring?) Wie dem auch sei. An so einem Tag findet man den Weg zur Lieblingseisdiele sogar mit verbundenen Augen.

An einem heißen Sommertag kann man auf eines auf gar keinen Fall verzichten: ein leckeres Eis. Das gehört einfach zusammen wie Ernie und Bert, wie Bud Spencer und Terence Hill, wie Gollum und der Ring. (Oder war es Frodo und der Ring?)

Während man die letzten Schritte bis zur Tür geht, läuft einem bereits das Wasser im Mund zusammen. Gleichzeitig sprintet das Gehirn einen Marathon, simuliert binnen Sekunden den Geschmack unzähliger Kombinationen von Eissorten. Entscheidet man sich für etwas altbewährtes oder etwas aufregend neues? Und wie viele Kugeln sollen es heute sein?

So viele Entscheidungen in so kurzer Zeit muss man sonst nur treffen, wenn man Tetris spielt. Ist man dann endlich an der Reihe, interessiert sich die Verkäuferin oder der Verkäufer aber nur für eins: Becher oder Waffel?

Die meisten Eis-Enthusiasten beantworten diese Frage dank jahrelanger Erfahrung äußerst gelassen. “Nehme ich einen Becher, läuft keine kalte Suppe meine Hand hinunter, wenn ich langsam esse,” sagen die Einen. “Eine Waffel ist Gratis-Essen und man verursacht keinen Müll,” sagen die Anderen. Besonders das Müll-Argument spricht für uns dabei eindeutig für die Waffel. Aber muss das so sein? Geht nicht auch beides? Becher und Müllvermeidung? Schließlich ist unsere Generation nicht für ihre Bescheidenheit bekannt.

Das rundum-sorglos-Eis-Equipment

Die einfachste Lösung? Man nimmt einen Becher aus Waffelteig. Wenn der dick genug ist und entsprechend geformt, muss man keine Angst haben, dass er nicht dicht hält. So kann man das Eis in aller Seelenruhe genießen. Aber zum Eis im Becher gehört immer auch ein Löffel. Wie kann man den unterwegs nutzen, ohne Müll zu produzieren?

Quelle: Spoontainable

Glücklicherweise gibt es findige Erfinder, die sich um Auswege aus solch unausweichlichen Zwickmühlen kümmern. Wie? Indem man die Löffel essbar macht. Spoonies nennen sich die cleveren Knusperkellen, die man am Ende einfach essen kann. Ganze 60 Minuten sollen diese Wunderlöffel stabil bleiben. Wer dann noch Eis übrig hat, macht eh etwas falsch. Dabei sparen die Spoonies nicht nur die alternativen Plastiklöffel ein. Sie werden sogar aus Reststoffen aus der Lebensmittelindustrie hergestellt. Man verhindert damit also sowohl Plastik- als auch Lebensmittelverschwendung. Unter Umständen muss man sich nur nochmal für einen Geschmack entscheiden. Aber falsch macht man bei dieser Entscheidung wohl nichts.

Man wünscht sich die Qual der Wahl eigentlich sogar noch an vielen anderen Orten. Wie wäre es beispielsweise, wenn man auch die Portion Pommes ohne Müll bestellen könnte? Eigentlich eine naheliegende Idee. Ein recht bekanntes Schnellrestaurant hat diese sogar vor einigen Jahren einmal umgesetzt. Mehr als ein Werbegag war das Ganze aber wohl nicht. Denn mit der Gabel, die selbst aus Pommes bestand, konnte man nicht viel mehr tun, als den Ketchup vom Teller zu kratzen.

Reste verwerten und Gäste verwöhnen

Quelle: www.kaffeeform.com

Leider sind wir noch nicht überall soweit, dass wir alle Verpackungen und Behältnisse restlos aufessen können. Allerdings entsteht bei der Herstellung von vielen Lebensmitteln vermeintlicher Abfall, der eigentlich noch verwertbar ist. Zum Beispiel kann man aus recyceltem Kaffeesatz Tassen herstellen. Ein großer Schritt in Richtung Zero Waste. Da kann man das Heißgetränk ohne Gewissensbisse genießen. Sowohl im Café als auch unterwegs.

Besonders ein Umdenken bei der Coffee-to-go-Kultur kann Großes bewegen. 2,8 Milliarden Pappbecher werden dafür pro Jahr allein in Deutschland verbraucht. Das sind immerhin knapp 320.000 pro Stunde. Kein Wunder, dass sich diverse Unternehmen und Initiativen dafür einsetzen, Mehrwegbecher in den Umlauf zu bringen. Zum einen handelt es sich um eine erhebliche Belastung unserer Umwelt, zum anderen besteht hier offensichtlich ein riesiges Marktpotenzial für alternative Produkte.

“Mehrwegbecher sind ja schön, aber ich kann doch nicht immer meinen Becher den ganzen Tag rumschleppen, nur weil ich morgens meinen Kaffee trinken möchte,” hört man dann schnell die Kritiker sagen. Da kommt man mit dem Argument, dass ein Einwegbecher nach diesen zehn Minuten bereits jegliche Daseinsberechtigung verloren hat, nicht weit.

“Mehrwegbecher sind ja ganz gut und schön, aber ich kann doch nicht immer meinen Becher den ganzen Tag mit mir rumschleppen, nur weil ich morgens zehn Minuten lang meinen Kaffee trinken möchte,” hört man dann schnell die Kritiker sagen. Da kommt man mit dem Argument, dass ein Einwegbecher nach diesen zehn Minuten bereits jegliche Daseinsberechtigung verloren hat, nicht weit. Umso besser, dass es auch hier eine Lösung gibt. 

Quelle: www.recup.de

Recup hat ein System entwickelt, bei dem man einen Coffee-to-go im Mehrwegbecher bekommt, auf den man einen Euro Pfand bezahlt. Zurückgeben kann man diesen in allen teilnehmenden Geschäften. So kann man morgens seinen Kaffee auf dem Weg zur Arbeit trinken, produziert keinen unnötigen Abfall und hat trotzdem den Rest des Tages genug Platz in der Tasche. Wenn das nicht der Inbegriff von Freiheit ist. Kein Wunder, dass Bescheidenheit immer seltener wird, wenn wir immer das Beste von allem haben können.

Verpackung zum Mitessen

Da wir gerade das Beste erwähnt haben. Unabhängig von Einweg oder Mehrweg, der beste Abfall ist immer noch der, der gar nicht erst entsteht. Oder der zumindest leicht biologisch abbaubar ist. Warum also nicht einfach Verpackungen aus Meeresalgen herstellen? Klingt im ersten Moment, als käme die Idee direkt aus einem Science-Fiction-Apokalypsen-Action-Abenteuer, in dem die Menschheit kurz vor dem Hungertod zwar irgendwelche Wunderpillen gegen die Essensnot erfunden, dafür aber jeglichen Genuss in die Vergangenheit verbannt hat. Tatsächlich kann man dieses Produkt auch heute schon kaufen. Und sogar essen.

Notpla nennt sich das Material, das vornehmlich als Verpackung für kleine Portionen von Flüssigkeiten wie Wasser, Säfte oder Soßen dient. Es wird unter anderem aus Algen hergestellt, die bis zu einen Meter pro Tag wachsen. Und das von ganz allein, ohne frisches Wasser oder künstliche Anbaugebiete. Nach der Benutzung ist es innerhalb von vier bis sechs Wochen biologisch abgebaut. Wenn man es denn nicht gleich mitgegessen hat. Durch die natürlichen Bestandteile ist nämlich auch das problemlos möglich.

Stellen wir uns vor, wir laufen einen Marathon (oder jemand läuft einen Marathon). Die halbe Strecke ist geschafft und dutzende verschwitzte und ausgetrocknete Läufer kommen am Getränke-Stopp vorbei. Normalerweise finden die Läufer hinter der Spitzengruppe wenige Meter nach diesem Stand ein Massaker aus zerknüllten Einwegplastikbechern vor. Durch den Einsatz der innovativen Wasserkapseln könnte man diesen unfreiwilligen Hindernislauf verhindern. Beim anschließenden Gang in das bereits erwähnte bekannte Schnellrestaurant gibt es in Zukunft zur Portion Pommes vielleicht eine Kapsel mit Ketchup, Majo oder, bei unseren kulinarischen Kennern, Currysoße.

Man merkt: Die Argumente, Gegenstände aus Einwegplastik zu nutzen, werden immer weniger. Wenn schon Einweg, dann einfach so, dass nichts zurückbleibt. Ansonsten sollte gelten: Mehrweg ist ein Weg, aber Einweg ist kein Weg.


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